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#1
In der The Walking Dead-Episode Remember gibt es einen Tapetenwechsel für die Überlebenden: Sie ziehen in die geschützte Stadt Alexandria. Aber wollen das auch alle Gruppenmitglieder? Wie werden sie sich in Alexandria einrichten?

Remember schlägt ein neues Kapitel für die Überlebenden rund um Rick Grimes (Andrew Lincoln) in „The Walking Dead“ auf. Denn Alexandria könnte ein Ort sein, den die Gruppe als neue Heimat akzeptiert - ob die bisherigen Bewohner nun mitspielen oder nicht.

Verständlich ist, dass die Gruppenmitglieder verstört und schreckhaft sind und der Situation nicht 100 Prozent vertrauen, wenngleich Rick am Ende der vergangenen Episode fröhliche Kinder in der Siedlung vernommen hat. Daryl (Norman Reedus) jedenfalls ist allzeit bereit und erlegt noch schnell ein Opossum als Gastgeschenk, bevor es durch die Tore geht.

Ehe der nächste Schritt unternommen werden kann, soll die Gruppe ihre Waffen abgeben. Doch dagegen wehren sich die Mitglieder zunächst, was Aaron (Ross Marquand) verstehen kann - er pfeift den vorschnellen Nicholas (Michael Traynor) zurück. Zunächst sollen Rick und weitere Gruppenmitglieder mit Deanna (Tovah Feldshuh) reden, die die Zügel in Alexandria in der Hand hält.

Was dagegen, wenn wir das mitfilmen?

Deanna Monroe filmt die Gespräche der Neuankömmlinge mit, was der Episode einen leichten Doku-Charakter verpasst, denn wir sehen teilweise das gefilmte Resultat. Rick ist der erste, der mit ihr spricht. Dabei erfahren wir eine Menge über die Anführerin, deren Comicpendant übrigens ein Mann ist, und auch über die Besonderheiten Alexandrias. Monroe selbst war eine Kongressabgeordnete aus Ohio, die auf dem Weg in ihre Heimat war, um sich mit der aufkommenden Krise zu befassen, ehe sie von der Armee nach Alexandria umgeleitet wurde, wo sie dann blieb.

Alexandria selbst hat einiges, was für den Ort spricht: Solaranlagen, die die luxuriösen Häuser mit Strom versorgen, hohe und recht sicher aussehende Zäune, fließendes Wasser und ein Abwassersystem. Der Mauerbau wurde von Monroes Mann, einem Architekturprofessor, den wir in dieser Folge allerdings nicht sehen, mithilfe des naheliegenden Einkaufszentrums ins Rollen gebracht. Virginia wurde damals ordentlich evakuiert, weswegen Menschen - tote und untote - hier Mangelware sind. Ricks Gruppe ist die erste größere Gruppe seit langem, der ein Angebot gemacht wird, die Stadt zu verstärken.

Dabei wird auch klar, dass die Alexandriner nicht unbedingt geübte Zombiekiller sind. In den vergangenen Monaten haben sie sehr wohlbehütet gelebt - daher suchen sie nun die Unterstützung von Leuten, die in der kalten, harten Realität überlebt haben. Für Rick ist der Fall klar: Man hätte die Tür geschlossen halten sollen. Er selbst hat so viel Böses da draußen erlebt, dass es ihm schwer fällt, Vertrauen zu Fremden aufzubauen. Gegenüber Monroe ist Rick in einem Belang ehrlich: Er hat viele Menschen umgebracht, dies jedoch immer nur getan, um seine Familie und seine erweiterte Familie, also die Gruppe der Überlebenden, zu beschützen. Gerade deswegen sieht die Ex-Politikerin wohl viel Potenzial in seinem Team: Obwohl die Mitglieder alle unterschiedliche Hintergründe haben, konnten sie eng zusammenwachsen. Monroe selbst musste als Anführerin drei Männer ins Exil schicken, was in dieser Welt einer Todesstrafe gleichkommt. Sie beschreibt sich außerdem selbst als ausgesprochen gute Menschenkennerin, die als alternative Karriere zur Politik eine Profikarriere als Pokerspielerin angegangen wäre.

Unser kleines Dorf

In dieser Episode gibt es für die Kenner des Comics besonders viele Szenen, die direkt aus der Vorlage entnommen sind. Das Gespräch mit Monroe - wenn auch hier stark abgewandelt - gehört ebenso dazu wie die Szene, in der die Waffen weggesperrt werden, solange die Gruppe sich im Stadtkern befindet. Und auch weitere Szenen, etwa Ricks Satz am Ende, sind direkte Zitate.

Für Rick und Co. gibt es gleich zwei Häuser, die sie sich frei aufteilen können, während Aaron vier Häuser weiter lebt. Rick und sein Sohn Carl (Chandler Riggs) können den Luxus hier kaum begreifen und inspizieren das Haus vorsichtig. Dann nutzen sie die Annehmlichkeiten zur Dusche, Rasur und zum Kleiderwechsel. Nachdem Rick in den vergangenen Staffeln immer mehr Ähnlichkeit zum Sasquatch entwickelte, fällt der Bart also endlich dem Rasierer zum Opfer, was zunächst ungewohnt ist. Nachbarin Jessie (Alexandra Breckenridge) bringt dann noch weitere Wechselkleidung (wie lange haben unsere Helden eigentlich dasselbe getragen?) mit und bietet ihm an, seine Haare auf Sherifflänge zu kürzen. Obwohl sie ihn nicht kennt, vertraut sie sich ihm direkt an. Sie erzählt, dass sie mal Stylistin war und dass sie zwei Kinder, Ron und Sam, hat - einer davon ist sogar in Carls Alter. Bei diesem Gespräch wird Ricks harte Schale geknackt, und er kann sich eine Träne kaum verkneifen. Ob das passiert, weil er an Lori erinnert wird oder weil Alexandria all das verkörpert, was er sich gewünscht hat, ist wohl Interpretationssache. Möglich ist beides.

Daryl bleibt Außenseiter

Daryl funktioniert immer dann am besten, wenn ihm gewisse Freiheiten gegönnt werden. Deswegen wird er hier in Alexandria eine Sonderstellung einnehmen. Er nimmt sein Opossum auf der Veranda aus und weigert sich standhaft, eine Dusche zu nehmen. Auf die Frage, ob er selbst gerne hier ist, nennt er das Wohl von Ricks Kindern als Grund. Er kann sich im ganzen Verlauf der Folge nur schwer mit der neuen Situation arrangieren. Daryl ist als Figur in dieser Phase der Serie deswegen so spannend, weil er im Comic nicht vorkommt, wie übrigens auch einige der Alexandrianer. Doch der Armbrustspezialist, der sich nur knurrend unterordnet, wird noch eine besondere Farbe in diesen Geschichtsabschnitt bringen, und so bleibt es auch für Comic-Kenner spannend und überraschend.

Alle unter einem Dach

Als Vorsichtsmaßnahme beschließt die große Gruppe, die Nacht zunächst zusammengepfercht und allzeit bereit in einem Haus zu verbringen. Manche sind dabei vorsichtiger als andere. Michonne etwa kann gar nicht mehr aufhören, sich über die kleinen Dinge wie das Zähneputzen zu freuen und über den bartlosen Rick zu staunen. Deanna lässt es sich nicht nehmen, Rick einen Hausbesuch abzustatten und sieht dabei auch, dass alle unter einem Dach stecken. Statt Vorsicht zu vermuten, findet sie es gut, dass diese Wildfremden eine solche Einheit bilden. Außerdem ist sie dabei, allen einen Job zu geben. Nur bei Rick, Michonne, Saha und Daryl hat sie noch Probleme, die sich aber bei Rick und Michonne zum Ende der Episode auflösen.

Die Normalität des Alltags der Bewohner Alexandrias wird in dieser Episode mit den wunderbar perplexen Reaktionen unserer abgehärteten Zombiekiller kontrastiert, was immer wieder für nette Momente sorgt. Die Frau, die einen Hund Gassi führt (ebenfalls aus dem Comic) oder das einfache Spazierengehen sind für Ricks Gruppe Tätigkeiten, die ihnen völlig fremd geworden sind. Darum verliert Rick auch seine Fassung, als Carl und Judith plötzlich „verschwinden“ - dabei quatschen sie nur mit den alten Nachbarn (ja, es gibt Rentner hier).

Der Versuch der Normalität

Nachdem die Gruppe angekommen ist, macht Jessie Carl mit ihrem Sohn Ron bekannt. Kinder und Jugendliche gibt es hier also tatsächlich. Dazu gehören Mikey und auch Enid (Katelyn Nacon), die ebenfalls ein relativer Neuankömmling ist und ein wenig wie eine uneheliche Tochter von Daryl rüberkommt. Wortkarg und introvertiert, zeigt sie Carl die kalte Schulter, während die Jungs sich die Zeit mit dem vertreiben, was Jungs in diesem Alter eben so tun: Videospiele zocken und rumhängen. Carl hat schon seit dem Gefängnis keinen Kontakt mit Gleichaltrigen mehr gehabt. Das überfordert ihn - genauso wie die Möglichkeit, plötzlich wieder Videospiele spielen zu können, ohne den Horror, der dort manchmal gezeigt wird, selbst zu erleben. Was Carl durchgemacht hat, wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht, dennoch werden wir bei seinem Videointerview daran erinnert. Er musste seine eigene Mutter nach der Geburt seiner Schwester töten. Davon muss man sich erst einmal erholen, sofern das möglich ist. Carl gefällt es zwar in Alexandria, aber er hat sich einen analytischen Survivalinstinkt angeeignet und erkennt, dass die Bewohner der Stadt schwach sind, wenn es zum Ernstfall kommen würde. Besonders fasziniert scheint er allerdings von Enid zu sein. Ist da etwa Verliebtheit im Spiel?

Spannungen vorprogrammiert

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Szenenfoto aus der Episode „Remember“ der US-Serie „The Walking Dead“
© AMC​

Dass es nicht unbedingt mit allen leicht werden wird, erlebt zunächst Rick, der bei einem nächtlichen Spaziergang Bekanntschaft mit dem Mann von Jessie macht, der auf der Veranda sitzt und wenig sympathisch herüberkommt.

Carol (Melissa McBride) hat eine andere Taktik. Sie verstellt sich beim Interview und tut das, was sie am besten kann: Sie passt sich ihrer Umgebung an. Dabei spielt sie eine Rolle, die sie als Heimchen, Hausfrau und Mutterhenne charakterisiert. Ob Deanne das als Bluff lesen kann, wird noch spannend sein. Zunächst „verkleidet“ sie sich jedoch als Vorstadtmutti, was ihr den Spott von Daryl, dem ewig Unangepassten, einbringt. Ihr Aufgabe wird es sein, Essen für die Alten und Schwachen zu machen. In gewisser Weise ist das die andere Medaille ihrer Arbeit im Gefängnis, wo sie sich um die Kinder kümmerte und versuchte, ihnen die Selbstverteidigung näher zu bringen. Mal schauen, ob das erfolgreicher verläuft als die Sache mit Lizzie.

Glenn (Steven Yeun) wird dem Supply-Run-Kommando zugeteilt, ebenso wie Tara (Alanna Masterson) und Noah (Tyler James Williams). Die Anführerschaft darüber hat Deannas Sohn Aiden (Daniel Bonjour), der seine ganz eigenen Regeln hat und damit schnell den Ärger der erfahrenen Zombiekiller auf sich zieht. Denn statt die Untoten direkt umzubringen, ketten sie ausgerechnet den Walker, der für den Tod der Kameraden verantwortlich ist, eher schlecht als recht an, sodass er natürlich zurückkehrt und zur Gefahr wird. Denn Aiden verlangt stur, dass man seinen Regeln folgt, statt dass sich Glenn und Co. auf ihre Kampffähigkeiten und Intuition verlassen. Da hilft es auch nicht, dass Aiden und Noahs Vater bei der gleichen Abteilung in der Armee waren.

Gleichzeitig schleicht sich Enid davon und wird von Carl beobachtet, der mit seinem Vater ebenfalls draußen mit einigen Walkern übt, um nicht außer Form zu geraten. Dabei fällt Rick auf, dass seine im Mixer deponierte Waffe verschwunden ist. Das ging schnell. Hauptverdächtige: Enid.

Zurück im Camp kommt es dann zur Eskalation, weil Aiden auf großen Macker macht und Glenn ihm Wiederworte gibt. Es ist Aiden, der zuerst ausholt, während Glenn nur ausweicht, doch das gibt Daryl sein Signal, auf Verteidigungsmodus umzuschalten und sich Nicholas zur Brust zu nehmen. Rick muss schlichten und Deanna eingreifen. Sie stellt klar, dass die Neuankömmlinge die gleichen Rechte und den gleichen Status haben wie die Alteingesessenen und macht nebenbei noch Rick und Michonne zu den Gesetzeshütern (Constables) der Stadt. Frau Monroe bedankt sich zudem bei Glenn, dass er ihren arroganten Sohn auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat und ihn womöglich dazu gebracht hat, dass das System geändert wird. Rick und Michonne nehmen ihre neuen Jobs an, und bald sehen wir unseren früheren Ricktator wieder in seinem Status aus Staffel eins.

Mit einer interessanten, wenn auch nicht wirklich subtilen Bildkomposition endet die Episode dann. Wir sehen drei der Entscheider aus Ricks Gruppe, Carol, Rick und Daryl. Hier ist Carol das Musterbild einer domestizierten Hausfrau, während Rick den Ordnungshüter ist, der noch nicht ganz überzeugt ist, sowie Daryl, der die animalische, ungewaschene Seite des Überlebenskampfs symbolisiert. Dennoch ziehen die drei doch an einem Strang. Carol hält die Menschen hier, wie Carl schon sagte, für schwach. Rick will sehen, was passiert, und ist zur Not bereit, Alexandria einfach zu übernehmen. Das ist schon fast mehr Shane und Governor als Rick. Denn mögen die Leute hier teilweise noch so nett sein, dieser Ort scheint es wert zu sein, für ihn zu kämpfen.

Fazit

Ich war im Vorfeld sehr gespannt, wie die Storyline in Alexandria gestartet und umgesetzt wird und ich bin sehr positiv überrascht. Es gibt eine Mischung aus Comiczitaten, Remixen und kleinen Überraschungen (etwa der Geschlechtstausch von Monroe), die mir gut gefallen. Zumal so hoffentlich eine etwas nervige Nebenstory aus den Comics wegfällt.

Mir gefällt es, wenn Extreme aufeinanderprallen, und das tun sie hier in Form der abgeschotteten Bewohner Alexandrias und den stets ums Überleben kämpfenden Protagonisten. Bisher war Rick immer in irgendeiner Form das Alphatier, doch nun wird er sich Monroe unterordnen müssen, was der Serie eine neue Dynamik verpasst. Schade, aber verständlich ist es, dass wir so gut wie nichts von Abraham gehört haben, der eventuell auch noch anecken könnte. Dafür wird Daryl hier als eine Art eingekerkertes Tier dargestellt, was sicherlich zu weiteren Reibungen führen wird. Dabei hat die Gruppe eigentlich recht viele Freiheiten, muss sich nun aber an festgesetzte Regeln halten oder bereit sein, sie zu brechen, wenn es darauf ankommt.

Ob die einzelnen Gruppenmitglieder durch Annehmlichkeiten wie Wasser, Strom und einem Dach über den Kopf wirklich weich werden oder dem bisherigen Anführer und System abschwören, wird wohl einen Großteil der kommenden Episoden ausmachen. Ebenso, ob es gelingen kann, mit ihrer Hilfe weitere zivilisatorische Errungenschaften wiedereinzuführen. Nach gut fünf Staffeln finde ich den Versuch von langfristiger Zukunftsplanung jedenfalls sehr begrüßenswert und freue mich auf die kommenden Folgen.

Quelle: Review The Walking Dead 5x12: Remember - Erinnerung